Tag Archiv für Weg

wie Navigation

Alle haben es, alle nutzen es. Vor unserer Fahrt nach Frankreich fragte J., wie ich denn den Weg zu unseren diversen Unterkünften hinkriegen wollte, so ohne Navi. Letzten Endes bin ich hinter ihm und seinem Navi hergezockelt. Es ist schon eine feine Sache.

Allerdings hatte ich ebenso wenig Probleme, mein Ziel zu finden, als mich auf der letzten Strecke mein Achtjähriger navigierte. Ein bisschen mehr Vorbereitung, ein bisschen mehr Orientierung war nötig. Aber verfahren haben wir uns genauso wenig (also nur ein bisschen am Ende) wie die anderen Male.

Der arme D. musste von einem Abschleppdienst abgeholt werden. Bei Köln. Irgendwo da draußen in der Vorortwildnis. Als ich ihn aufgelesen habe und wir zurückfahren, fragt er erstaunt, wie ich da bloß hingefunden habe. Ohne Navi.

Ich sonne mich in seiner Bewunderung und fühle mich einmal mehr wie eine aussterbende Gattung. Homo orientensis. Mir behagt es einfach nicht, mein Gefühl im Raum, das Erfassen meiner Umgebung zugunsten von Richtungspfeilen und gesprochenen Anweisungen aufzugeben. Ich ziehe es vor, zu wissen, wo ich bin. Dann habe ich ein inneres Bild, ein Raster meiner Umgebung im Kopf, in dem ich sowohl meine Position als auch die Wege erfassen kann, die ich zu meinem Ziel wähle. Ich bin Herrin meiner Schritte.

Habe ich jedoch keinen Plan, hört meine Fantasie über meine Umgebung da auf, wo mein Auge nicht mehr hinreicht. Das mag ich nicht. Es fühlt sich ein bisschen so an, als fiele gerade die Schwerkraft weg, mir wird anders im Bauch und ich baumele im Nirgendwo herum, abhängig von jedem Hans und Franz der mir den (womöglich falschen) Weg weist.

Reicht es nicht, dass es uns mit unserem Leben so geht? Dass wir jeden Tag auf Sicht fahren? Dass es bei all unseren Planungen für die Zukunft nicht mal einen vernünftigen Überblick über Alternativrouten gibt (landschaftlich reizvoll, schnell, kulturell interessant)?

Verblüffend, wie im Zeitalter intensiver Karriereplanung die Kontrolle über den täglichen Weg aus der Hand gegeben wird. Wo doch die Illusion wie ein riesenhafter Geist aus der Flasche über uns wabert, wir könnten unser Leben im Detail so steuern, dass wir in fünf Jahren da ankommen, wo wir es heute planen.
Die Annahme, die Person, die ich in fünf Jahren sein werde, wäre wirklich glücklich an der Stelle, in die mein heutiges Ich sie hineinwünscht, ist gewagt. Wirklich abstrus aber ist der Gedanke, ich könnte mein Leben steuern wie ein Auto durch die Stadt.

Inzwischen liebe ich Landkarten. Stadtpläne. Sie geben mir das Gefühl, wenigstens im Raum meine Position beherrschen zu können. Und dass ich immer wieder zurückfinden kann, wenn ich mich mal verlaufen habe.

P.S. Einen wunderbaren Radiobeitrag zum Thema Orientierungssinn kann man hier hören.

wie Ziel

Bei einem Blog, in dem Begriffe von A bis Z Anlass für kleinere Texte sind, ist das Z das Ziel.
Erreicht.
Und nun?

Ziel war es ja nicht, das Z zu erreichen – naja, gewissermaßen schon, denn immerhin hieß das ja zunächst, eine gewisse Anzahl von Texten einem gewissen Prinzip folgend zustande zu bringen. Ziel war es vielmehr, diese Texte zu schreiben, wobei der Weg ja nun mal – naja, eben der Weg zum Ziel war.
Und wie das immer so ist: Am Ziel stehend stellt man fest, dass man das Ziel gar nicht so richtig genießen kann, denn mit einem Mal hat man die Perspektive verloren, die einen so lange in Bewegung gehalten hat. Und Stehenbleiben bzw. nicht weiterschreiben, das war nun ganz sicher nicht mein Wunsch. Das Ziel ist nur so lange interessant, wie es noch entfernt ist.

Also habe ich beschlossen, das zu tun, was ich bei einem schönen Spaziergang machen würde, wenn ich ein gesetztes Ziel erreicht habe. Nach einer kleinen Pause (Essen, Trinken, Genießen) gehe ich den Weg zurück. Noch einmal – und wiederum nicht noch einmal, denn schließlich sehe ich ihn und alles um ihn herum ja nun von der anderen Seite.

Weg

Wir sehen uns beim X, Y oder W …

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