Tag Archiv für Trennung

wie Trennung

Ich wusste es.

Vor anderthalb Jahren habe ich einen ganzen Schwung Urmel-Hörbücher gekauft, gelesen von Dirk Bach, der in diesem Zusammenhang brilliert. Ich verband damit die Hoffnung, das Urmel in die Geschichtenwelt meines Sohnes einzuarbeiten, was zunächst daran gescheitert war, dass er die Version der Augsburger Puppenkiste nicht einmal wegen ihrer Eigenschaft als FERNSEHEN gemocht hat. Aber auch die CDs blickte der Herr Sohn nicht mit seinem kleinen wohlgeformten Hintern an.

Heute ist er auf den Kindergeburtstag eines bekennenden Urmel-Fans eingeladen. Was lag für die sparsame Mutter näher, als eine der ungehört verstaubenden Urmel-CDs auszuwählen und schmerzlos einzupacken?

Schmerzlos. Ha.
Trennung lag in der Luft. Verlust. Ein furchtbares “Nie wieder!” erhob sein Haupt.

Ich hatte es allen Ernstes mit einem weinenden 6-Jährigen zu tun, der mir glaubhaft versicherte, nicht mehr seines Lebens froh werden zu können, wenn ich diese, ausgerechnet DIESE wunderschöne CD verschenkte.

Wie schön, wie einzigartig, wie wunderbar etwas ist, bemerken wir leider oft erst im Moment, wo es sich von uns entfernt. Verblüffend, wie etwas vordem Unauffälliges, an dem man tausendfach vorbeigesehen hat, mit einem Schlag Farbe bekommt, Kontur, Schönheit, Bedeutung. Die Farben der Sehnsucht – so, wie die Welt abends aussieht, wenn die schrägen Sonnenstrahlen ihr einen besonderen Hauch verleihen, kurz bevor es Nacht wird.

Ich hatte ein Schlüsselerlebnis in meiner Oberstufenzeit. Da kam ein älterer Ex-Schüler vorbei und erzählte uns ohne Punkt und Komma, wie toll doch die Schule gewesen sei. Mir kam das seltsam vor, das im Nachhinein zu empfinden und ich nahm mir vor, alles von nun an schon zu würdigen, während ich noch mittendrin bin. Seltsamerweise gelingt es mir oft. Indem ich mir den Abschied von etwas vorstelle, stelle ich die Sonne schräg und genieße – und leide auch schon ein bisschen am vorausgeahnten Verlust. Ist die Trennung dann vollzogen, ist es leicht, loszulassen, denn ich habe das Volle gekannt und genossen, es innerlich verloren und wiedergefunden und noch einmal gewürdigt.

Ob ich die CD als Geschenk eingepackt habe? Selbstverständlich. Aber nicht, ohne vorher eine Sicherheitskopie herzustellen sowie Cover und Rückseite zu fotografieren. Denn endlich – endlich! – sehe ich die Chance, das Urmel in die Geschichtenwelt meines Sohnes (und seiner Mutter) einzubringen. Öff öff.

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