Tag Archiv für Schweden

wie Urlaub

Meine Abende in den nächsten zwei Wochen sind dem Recherchieren von Ferienwohnungen gewidmet. Mit lieben Freunden fahren mein Sprößling und ich nach Schweden und zumindest die Erwachsenen haben einen wahren Traumurlaub im Sinn, mit Romantik in roten Häuschen, am See, im Boot – Mücken werden passenderweise ausgeblendet. Auch die Kinder sind natürlich durch Findus und Petterson und Büllerbü entsprechend eingenordet.
Das will natürlich alles vorbereitet, geplant, gebucht sein.

Wir hatten es hier schon einmal von den Rittern. Aus Ihrer Zeit stammt auch die Idee vom Urlaub. urloup kommt von “erlauben”. Jemand, der an der Stelle, wo er steht, Pflichten hat (und wer hätte das nicht?), kann einen Höherstehenden (als Ritter seinen Fürst oder seine Dame) darum bitten, ihm urloup zu gewähren – die Erlaubnis, sich zu entfernen und etwas anderes zu tun. Kämpfen, Abenteuer suchen, herumbummeln, wie auch immer.

Wie das ausgehen kann, sehen wir bei Yvain. Der hat den Gatten der Frau Landine zuerst getötet und dann ersetzt. An seiner Statt zeigt er dem Artushof, was eine Harke – respektive ein echter Ritter – ist und ist nun Burgherr. Gawain jedoch, der alte Neider, der nämlich nie eine abkriegt, die ihn auch heiratet, erinnert ihn an den gemeinsamen Kumpel Erec, dem es nicht gut bekommen ist, sich mit seiner süßen Enite ausgiebig und ausschließlich am Eheleben zu erfreuen. Er fordert den frisch getrauten Yvain auf, direkt mal Urlaub zu nehmen. Landine ist verständlicherweise nicht entzückt (wie sehr das ihrer heißen Liebe zu Yvain oder der Schutzlosigkeit ihrer Burg in Abwesenheit eines kämpferischen Gatten geschuldet ist, bleibt ungesagt), weiß aber, was sich für eine höfisch denkende Dame gehört. Sie gewährt den Urlaub, allerdings stellt sie die Bedingung, dass Yvain spätestens nach einem Jahr wieder anzutanzen hat. Andernfalls ist alles aus. Wie es weitergeht, gehört nicht hierher, sagen wir es so: Er hätte sich und seiner Lady jede Menge Kummer erspart, wenn er nicht auf den alten Neidhammel gehört hätte. Na gut. Er hätte auch seinen Löwen nicht kennengelernt.

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Dennoch: Im Verständnis der Ritterterminologie ist ausschließlich das, was im Urlaub geschieht das, was zählt. Schließlich will ja nun auch niemand Geschichten lesen über des Werden und Vergehen der Jahreszeiten und die stetig wiederkehrenden Arbeiten, die damit verbunden sind.

Heute ist das kaum anders. Wie viele leben und ertragen den Alltag mit dem inneren Blick auf den Urlaub? Urlaub ist wie ein rettender Ausblick, der herrlich und wunderbar farbenprächtig auf das Grau des Einerleis scheint, wie Licht durch ein buntes Kirchenfenster. Es scheint eine allgemeine Übereinkunft darüber zu bestehen, das normale (Arbeits)Leben gehetzt und überfordert zu durchleiden und sich dabei mit sinkendem Kraftreservoir dem Urlaub zu nähern wie ein Verdurstender der Oase. Mich verwundert dabei schon, dass ich um uns herum nur selten eine Wüste sehe.

Möglicherweise sind für diesen pointierten Rhythmus die Schulferien verantwortlich. Ein Freund von mir, T. der Musiklehrer, malte sich einmal aus, was wäre, wenn die Sommerferien nicht so wahnsinnig lang wären. Es wäre mehr Zeit da für den Stoff, die Kinder würden in den sechs Wochen nicht alles vergessen, was man ihnen beigebracht hätte (nicht zuletzt: Wie man sich in der Schule benimmt) und damit könnte alles viel entspannter stattfinden.

Ich habe zuerst an Bullerbü gedacht. Was alles wegfallen würde, wenn man die Sommerferien streichen oder stark verkürzen würde. Baden im See, Angeln, Rüben verziehen, Garben binden – aha!?

Kartoffelernte früher

Stimmt. Daher kommt das. Ferien sind im Jahr da angeordnet, wo die Kinder im landwirtschaftlichen Zusammenhang als Arbeitskräfte gebraucht worden sind. Zum Kartoffelsetzen, zur Heumaht, zum Ernten des Getreides, später im Herbst der Rüben und der Kartoffeln. Nicht zum wochenlangen Rumlungern an fremder Leute Gestade.

Aber ist es nicht schön, die Gelegenheit zu bekommen, einmal wirklich aus dem eigenen Alltag auszusteigen? Andere Länder kennenzulernen, andere Lebensweisen, Zeit zum Reisen zu haben?
Wäre es nicht auch schön, seinen Alltag so zu gestalten, dass er einen an jedem Tag erfreut?

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