Tag Archiv für Currywurst

wie Queste

Die große Frage, die große Suche – die Queste, dies war die Aufgabe eines Ritters in der schönen Geschichtentradition um König Artus. Und die durfte natürlich auf gar keinen Fall leicht sein. Es galt, etwas Unmögliches, kaum Verstehbares zu erreichen, es – bevor es erreicht werden konnte – überhaupt einmal ausfindig zu machen, es als das Ziel der Suche zu erkennen und dann noch die Aufgabe zu lösen.

Parzival scheitert. Ihm schwirrt der Kopf von den (falschen) Verhaltensregeln, die seine Mutter ihm gab, in der Hoffnung, der Hohn, den er ernten würde, triebe ihn wieder zurück in ihre Arme (eine eitle Hoffnung, besonders, weil sie an gebrochenem Herzen stirbt, sobald er außer Sichtweite ist) und von den starren Verhaltensregeln seines ersten Lehrmeisters. Als er dann vor dem steht, den er erlösen soll, verbeißt er sich die Frage des alles heilenden Mitgefühls und wird als herzloser Stumpf am nächsten Tag davongejagt.

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Eine Weile verbringt er – wahnsinnig geworden – im Wald, bis er von der Erinnerung an seine geliebte Frau wieder zu Verstand kommt, sich berappelt, lernt, wie man sich nun wirklich zu verhalten hat. Naja. Er schafft es dann, bewältigt seine Queste und lebt fortan im präraffaelitischen Märchenwald.

Aber auch das heutige Leben bietet uns unsere Questen und die Suche nach dem Partner (ha!) ist eine davon. Bei näherer Betrachtung hat sie viel mit dem ahnungslosen Ritt in einen rammelvoll mit Bäumen aller Art bestandenen Wald zu tun. Ebensowenig wie ein Ritter in einer Geschichte weiß die Suchende, was für eine Gestalt als nächstes hinter einem Baum hervortritt und wie sie sich ihr gegenüber angemessen verhalten sollte. Und ebenso wie eine ritterliche Queste ist auch die Partnersuche nichts, was man mal eben so auf einer Backe absitzt, so locker und gelassen man sich ihr auch nähert. Ein Beispiel:

Gestern war ich auf der Queste nach einer Currywurst in Düsseldorf und ahnte nichts davon. Mir war, als wäre ich zu einem Weihnachtsmarktbummel dort verabredet, der gleichzeitig das erste Treffen mit einem bislang fast Unbekannten darstellen sollte. Alles fing gut an. Wir kamen sogar schon nach einer halben Stunde zu unserem Glühwein und betrachteten mineralische Auslagen. Aber dann – ich denke an Zwerge mit trügerischen Sprüchen – wurde mir vorgeschlagen, zu einem netten Ort zu gehen, wo es die beste Currywurst … es sei nur bis zum Rhein und dort so zehn Minuten.
Ich sage es Euch: Ich bin ein vertrauensseliger Mensch. Wenn mir ein anderer Mensch sagt, man ginge 10 Minuten, glaube ich das. Natürlich mit Spielraum, wer stoppt schon jeden Weg? Aber ich bin sicher, dass wir nach zwanzig Minuten das Ziel erreicht haben werden.

Es wurde mir ein bisschen komisch, als wir nach einer halben Stunde Marsch schließlich in einer Gegend am Rhein ankamen, die tagsüber möglicherweise sehr belebt, zur späten Abendstunde, in der wir uns befanden, allerdings menschenleer war. Ganz schön riskant, denkt ihr? Das dachte ich da auch. Aber mein Begleiter war gutartiger Natur, nur mit der Wahrheit über Weglängen nahm er es nicht allzu genau. Darauf angesprochen, reagierte er schelmisch: Wenn er mir die wirkliche Dauer des Weges genannt hatte, wäre ich ja wohl kaum mitgekommen.
Womit er recht hatte, denn ich trug nach einigen anstrengenden Wochen die Zeichen einer drohenden Erkältung in mir und hätte – befragt – einen abendlichen Fußmarsch auf maximal 4 Kilometer begrenzt.

Insgesamt werden wir an diesem Abend so um die 10 Kilometer marschiert sein. Heute morgen erwachte ich an meinem ersten freien Wochenende seit langem und hatte Halsschmerzen und alles, was dazu gehört, wenn der Körper sagt: “Wenn Du Dich nicht schonen kannst, dann muss ich Dir eben zeigen, wo der Hammer hängt.”

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Und so sitze ich nun im Wald. Zwischen den Bäumen, von denen mir keiner besser erscheint als der andere. Und denke mir, dass mein Leben außerhalb des Waldes doch gar nicht mal so schlecht ist. Und was so eine Suche soll nach etwas, von dem man nicht einmal weiß, wie es aussieht. Von dem man erst, wenn man davor steht und ein Weilchen beobachtet, tatsächlich erst am Morgen danach, weiß, wie es NICHT aussieht.
Und in diesem erbärmlichen Herumgestolpere und im Matsch landen erinnere ich mich dann wie Parzival an das, was mich doch eigentlich beschäftigt, hält und meine Tage mit Sinn füllt: Die eigentliche Queste. Wie man richtig leben soll. Jeden Tag so gut machen, wie er geht.

Und dass alles, alles, alles, zu einem kommt, wenn es soweit ist.

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