wie Aufgabe

Aufgaben im Rechenheft meines Achtjährigen sind überschaubar und bestechen durch ihre Lösbarkeit. Natürlich befinden sich diese für das Kind oft in dem Bereich, in dem es Anstrengung und Hirnschmalz kostet, die Aufgabe zu lösen. Das sind jedoch die als interessant empfundenen Aufgaben. Ist es zu leicht, wird es ja langweilig und verkommt zu sinnloser Zeitvergeudung.

Mit der Schule verlassen einen zwar die Rechenhefte, nicht jedoch die Aufgaben. Sie verlagern sich lediglich ins richtige Leben und da in den Bereich, den man niemals vollgekritzelt in einem Karton auf dem Dachboden verstecken kann. Es ist die eigene Persönlichkeit, die als ewige Spielwiese herhalten wird. Manche Aufgaben sind nur temporär, wir lösen sie, ohne uns dessen bewusst zu sein und damit sind sie auch schon ihrer Aufgabenhaftigkeit entkleidet.

Andere Aufgaben hingegen bleiben. Sie sind in unserer Grundstruktur angelegt, da hinein liebevoll von einem vielleicht einzigartigen, vielleicht auch ganz langweilig verbreiteten Geflecht aus Veranlagung, Familienkonstellation, Bewältigungsstrategien der ersten Generation, Situationen und Personen eingewoben.

Wenn ich einmal denke: “Nicht schon wieder. Das kann ich doch nicht. Das soll jetzt doch mal wirklich wer anders machen!”, weiß ich, meine Aufgabe ist wieder da.

Inzwischen bin ich mir immer sicherer, sie wird mich treu bis an mein Lebensende begleiten.
Denn kennzeichnend für eine echte Aufgabe ist die trügerische Gewissheit, sie lösen zu können. Aus jedem neuen Anlauf bin ich irgendwann mit dem Gefühl herausgekommen, sie endlich geknackt zu haben, darauf nicht mehr reinzufallen.
Komme ich dann erneut in eine Situation, in der diese Aufgabe fällig wird, bin ich mir sicher, dass es diesmal gut geht, dass ich alles im Griff hab, die Tendenzen im Blick, alles bedacht, kurz: Mir kann nichts mehr passieren.

Und das ist das sicherste Anzeichen dafür, dass die Aufgabe kurz davor ist, zuzuschlagen.

Was mich jedes Mal auf’s Neue dann umhaut, ist die Tatsache, dass das Gefühl der Hilflosigkeit, dieses armeausbreitende, totale “Ich kann das nicht!” einfach nie an Qualität verliert. Es fühlt sich 1 A genauso Scheiße, genauso auswegslos, genauso frustrierend an wie all die Male davor.

Dabei hilft es kein bisschen, zu wissen, wie oft ich schon aus diesem Gefühl wieder herausgekommen bin, etwas dazu gelernt, verstanden, ausgegraben, bewältigt habe. Ich habe die Aufgabe gelöst, sie in ihre Schranken verwiesen. Nur, damit sie mir bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit erneut ihren süßen Arsch im nächsten Level präsentiert.

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