Archiv für Z

wie Ziel

Bei einem Blog, in dem Begriffe von A bis Z Anlass für kleinere Texte sind, ist das Z das Ziel.
Erreicht.
Und nun?

Ziel war es ja nicht, das Z zu erreichen – naja, gewissermaßen schon, denn immerhin hieß das ja zunächst, eine gewisse Anzahl von Texten einem gewissen Prinzip folgend zustande zu bringen. Ziel war es vielmehr, diese Texte zu schreiben, wobei der Weg ja nun mal – naja, eben der Weg zum Ziel war.
Und wie das immer so ist: Am Ziel stehend stellt man fest, dass man das Ziel gar nicht so richtig genießen kann, denn mit einem Mal hat man die Perspektive verloren, die einen so lange in Bewegung gehalten hat. Und Stehenbleiben bzw. nicht weiterschreiben, das war nun ganz sicher nicht mein Wunsch. Das Ziel ist nur so lange interessant, wie es noch entfernt ist.

Also habe ich beschlossen, das zu tun, was ich bei einem schönen Spaziergang machen würde, wenn ich ein gesetztes Ziel erreicht habe. Nach einer kleinen Pause (Essen, Trinken, Genießen) gehe ich den Weg zurück. Noch einmal – und wiederum nicht noch einmal, denn schließlich sehe ich ihn und alles um ihn herum ja nun von der anderen Seite.

Weg

Wir sehen uns beim X, Y oder W …

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wie Zuhause

“Home is where the heart is.”

Zumindest ist ein Zuhause in meinem Leben kein fester Ort mehr, nichts Gesetztes, Unveränderliches, Unhinterfragbares. Aus meinem Elternhaus ausgezogen, habe ich insgesamt fünf Wohnungen in Köln bewohnt. Weder das Herkunftsdorf noch die Wahlstadt ist wirklich meine Heimat, der ich mich von ganzem Herzen zugehörig fühle, auf der anderen Seite ist es auch keine davon nicht.

So haben auch die Wohnungen, die ich mir eingerichtet habe, für mich inzwischen nichts Gesetztes mehr. Schließlich habe ich sie gesehen, bevor sie mein Zuhause wurde und habe auch vier davon wieder meiner Gegenstände entkleidet und sie als neutralen Ort zurückgelassen, damit sie für jemand anderen das Zuhause werden können.

Umzug

Doch von Wohnung zu Wohnung habe ich im Einrichten und wohnlich Machen dazu gelernt und in der aktuellen Wohnung stehe ich nun manchmal, zum Beispiel im Wohnzimmer und denke: “Mensch, das sieht ja aus wie das Zuhause von jemandem!”

Gestern habe ich in der Küche das Probierpäckchen Samba ins Regal geräumt und dachte daran, wie mein Sohn es zum Frühstück selbst von dort heruntergeholt hatte. Es ist für mich ein immer noch verwunderliches Phänomen, dass er sich inzwischen in der Wohnung auskennt. Die Phase, in der er mich immer als Ansprechpartner benutzt hat, der ihm diverse Dinge verschafft, die er haben möchte, zumindest außerhalb des Kinderzimmers, geht ihrem Ende zu. Er beobachtet, er merkt sich und er agiert selbsttätig, holt etwas, schiebt sich einen Hocker heran, wenn es nicht geht, manchmal, wenn er nicht gut drankommt, ruft er mich zu einer geöffneten Tür, hat es aber vorher schon versucht.

Und als ich so das Samba ins Regal räumte, wehte mich wieder diese ehrfurchtgebietende Erkenntnis an: Das, was aus meinen Versuchen entstanden ist, eine Ordnung zu schaffen, Räume einzurichten, Dinge zu verstauen, alles in einer Variation von vielen Möglichkeiten anzuordnen ist für ihn etwas anderes.
Die Dinge sind da, wo sie hingehören. Mein soundsovielter Anordnungsversuch ist für meinen Sohn ebenso gesetzt und naturgegeben, wie es für mich die Dinge in der Wohnung meiner Eltern war. Sie war ja da, bevor ich da war und ebenso hat es sich mit der Ordnung verhalten, in die ich hineingeboren bin.
Und genau so ist es mit der Stadt, die ich gewählt habe, mit dem Viertel, in das er hineingeboren wurde. Puh. Es weht mich an, es ist ein leichter Hauch von Ewigkeit, denn ich erkenne in diesen Dingen, die ich mehr oder minder zufällig ausgewählt habe, das “Wie es nun mal ist” eines anderen Menschen.

Und bis mein Sohn sich auf macht, um die Welt zu erobern, ist diese Wohnung, diese Stadt, dieses Viertel sein Zuhause – gesetzt, unhinterfragt, nicht anders denkbar.

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