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wie Wetter

Es gewittert. Nach Tagen steigender Hitze bricht nun der Himmel über uns herein, ohne Ankündigung. Eben noch war es mörderisch heiß, dann tröpfelte es leicht und nun tobt es. An allen Balkonen und Fenstern stehen die Menschen, betrachten das Herabfallen des Regens, das Schwanken der Äste wie ein Schauspiel – und das ist es, würdig, erlebt zu werden. Ersehnter Regen, die Tropfen peitschen die Blumen und Kräuter auf meinem Balkon, erschreckt und beglückt geben Sie etwas von ihrem Duft ab und so besuchen mich Lavendel und Koriander, während ich auf dem Stuhl mit dem nassgeregneten Kissen sitze und tief befriedigt dem lärmenden Rauschen des Wassers lausche. Wie ein Peitschenknall zuckt da im abnehmenden Tröpfeln noch ein verirrter Blitz, erschreckt mich maßlos.

Gestern, vorgestern, der Tag davor – ich gewöhne mich an meinen schweißnassen Körper, vermeide den Blick in spiegelnde Flächen, weil ich mein quietschrotes Gesicht nicht sehen möchte. Umarmungen werden nur noch mit wirklich sympathischen Menschen ausgetauscht, aber am liebsten würde ich die ganze Zeit nackt in der verschatteten Hängematte liegen, während alle halbe Stunde jemand vorbeischaut, der mich mit Wasser begießt. Mein Kopf ist mit einer gallertähnlichen Masse gefüllt, in der jeder Gedanke sich mühselig vorankämpft, hinter sich her Schlieren ziehend, die das Ganze auch noch eintrüben. Heute morgen bin ich aufgewacht – reglos, unbekleidet, ohne Laken und habe vom bloßen Atmen geschwitzt.

Endlich fühlt sich die Luft, die von draußen herein kommt, wieder kühler an, als die Raumtemperatur (die immer noch bei 29 Grad liegt). Vielleicht zeichnet das den Nordeuropäer aus: Was mich an Hitze wirklich stört ist, dass ich ihr nicht entkommen kann, außer ich kühle meinen Körper in irgendeiner Form im Wasser ab. Der Kälte kann ich mich mit Kleidung erwehren, in meine geheizte Wohnung fliehen, ihr kann ich mittels Zivilisation die Grenzen zeigen. Gegenüber der Hitze aber ist die Zivilisation hilflos, sie lässt sich buchstäblich durch sie aufweichen, schmelzen, macht dem Körperlichen und seinen Grenzen Raum. Und irgendwie ist genau das das Schöne am Sommer.

wie Wiedersehen

Heute morgen ein schönes Frühstück auf der Terrasse mit meinem Sohn und der Freundin seines Vaters. Später bringe ich beide in den strahlenden Sonnenschein hinaus, im aufgeheizten Auto durch die Katakomben unter dem Herzen Kölns hindurch über einen staubigen Parkplatz zum Hauptbahnhof.
Unter unzähligen Kinderzeitschriften wird mühevoll eine ausgewählt, dann geht es zum Gleis 2. Kaum ist Abschnitt C erreicht, fährt auch schon der ICE nach Berlin ein. Die beiden steigen ein, ich verfolgen ihren Weg durch die abgedunkelte Scheibe, Küsse fliegen hin und her, dann macht sich der Junge noch mal auf den Weg zur Tür, wir begegnen uns, nehmen einander in den Arm, drücken fest. Noch einmal.
“Soll ich schon gehen?”, frage ich.
Er nickt, wir lösen uns, wenden uns voneinander.
Mit einem scharfen Schmerz bleibt mein Herz stehen. Hält die Luft an, drückt die Daumen und wird erst wieder schlagen, wenn wir uns wiedersehen.

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