Archiv für P

wie Perfekt

botticelli_birth_venus_2

Ich sage es nicht gern, aber: Ich bin nicht perfekt. Also so, wie Frauen in Bildern und Fotos und Filmen so sind: Fettfrei, nur an den gewünschten Stellen gewölbt, enthaart, faltenlos und duftend.
Das macht ganz schönen Stress. Ich finde nicht, dass Körperhaare in meinem Leben eine wichtige Rolle spielen sollten. Falten kommen zwangsläufig, wenn man nicht vorher den Löffel abgibt. Und auch der Körper einer Vierzigjähren hat eine dezidierte Vorstellung davon, wie er sein möchte – und wenn er die durchsetzt, kommt dabei nicht der Körper einer Zwanzigjährigen heraus.

Besonders unbehaglich wird es, wenn über längere Zeit der liebevolle körperliche Umgang mit einem Mann fehlt. Denn dann wird die absurde Vorstellung nicht widerlegt, dass Männer ausschließlich Frauen mit dem Körper von in die Höhe geschossenen Hungerhaken begehren, die täglich locker vier Stunden auf etwas verwenden, das sie als Körperpflege bezeichnen, das ich aber vermutlich als weitreichende Korrekturmaßnahmen einschätzen würde und für das ich meinen Schlaf opfern müsste, weil ich so viel Freizeit einfach nicht habe (und hätte ich sie, würde ich sie für weitaus Interessanteres verwenden).

Ich zum Beispiel schätze es überhaupt nicht, von einem Mann mit enthaartem Oberkörper umarmt zu werden. Von den allergischen Reaktionen, die durch den Kontakt der unvermeidlichen Stoppeln mit weichen Hautstellen entstehen, habe ich noch tagelang etwas. Da ist mir doch ein krauser Flaus hundertfach lieber, macht sich gut an Bauch und Brust und fühlt sich schön an. Sieht er halt nicht aus wie Brad Pitt. Ich habe ja auch nur wenig Ähnlichkeit mit Angelina Jolie.

Wieviel schöner ist es, wenn mir jemand durch die Haare streicht, die von zwei Tagen am Meer voller Salz und Fett sind und anstatt ein angewidertes Gesicht zu ziehen, mir dabei erzählt, wie toll er es gefunden hat, als ich mir bei unserer ersten Begegnung die Haare zurückgestrichen habe und dabei meine (ungefärbte, unblondierte, komplett unmanipulierte) weiß Strähne aufgeblitzt ist.
Allein dafür wäre ich schon absolut bereit, mich in ihn zu verlieben.

wie PMS und Partnerbörse

Achja. Ich weiß doch. Meine Rede. Bringt einen NUR schlecht drauf. Aber – was soll man machen? Immer sind alle Netten verheiratet oder verbandelt. Wenn sie grad nicht glücklich damit sind: Noch schlimmer. Dann strecken sie vielleicht ihre Fühler aus, überziehen mich mit ihrer Sehnsucht nach einem neuen, schöneren Leben. Aber mein Rücken ist nicht die Brücke in die Freiheit. An der Aufgabe zerbricht man nur einmal. Und die nicht Verheirateten? Wo sind die?

Und dann ist da dieser Wahnsinns-Männerkatalog.

Nur EINEN Klick entfernt. Aua. Nein. Es hat noch nicht mal wehgetan. Schlummerte alles, vom letzten Mal ergebnislosen Suchens und Nichtgefundenwerdens. Fix noch ein aktuelleres Foto angelegt und dann mal blättern. Was für eine Auswahl! Alles zur freien Verfügung. Hier ein Sympathieklick, dort eine kleine Bemerkung – würde ich doch so durch eine echte Männermenge gehen: Lächeln verschenken hierhin und dorthin und mich dann in Ruhe in eine gemütliche Ecke zurückziehen, um bei einem “Salty Dog” die Ernte einzufahren.

Wenn ja wenigstens jedem der IQ, der EQ und der “Beziehungsstatus” auf die Stirn tätowiert wäre, dann wäre das auch im echten Leben ein Zuckerschlecken. Sozusagen. Aber im Blindflug durch den Alltag, meinen wirklich geliebten Alltag, der mich aber so selten an Männertrauben vorbeiführt…
Die liebe B., die schon viele kluge Dinge gesagt hat, meinte einmal, als ich ausholte, um über meine statistischen Chancen zu schwadronieren, einen passenden Mann zu finden – mehr eigentlich, um mich selbst zu entlasten, denn diese Chancen stehen eher schlecht – B. also meinte: Es kommt nicht auf die riesige Auswahl an. “Schließlich brauchst Du ja nur EINEN, der passt.” Genau. So einfach ist das.

Naja. Und eigentlich habe ich ja auch schon einen Brief ans Universum geschrieben. Auf A 3 mit dickem Filzer – schließlich kann man vom Universum nicht verlangen, dass es fuzzelige 12 pt lesen kann, oder? Wie sagte H. so schön: Aufschreiben, abschicken und vergessen. (Er hat übrigens nicht geschrieben, wohin – also hab ich’s ihm geschickt. Soll er sehen, was er damit anfängt.)
Der hat ja auch kein PMS, der liebe H. Darum weiß er auch nicht, dass regelmäßig das große Geheule im glücklichen Leben kommt. Zwei bis drei Tage. (Siehe zum Beispiel K wie Konform). Und dann ist wieder wochenlang Ruhe. In der Zeit schreibe ich keine traurigen Blogs. Und da sind die Partnerbörsen nicht mal im denkbaren Bereich, geschweige denn in Klickentfernung zu messen.

Naja. Spätestens bei S wie Suche werden wir sehen, wie es weitergegangen ist.