Archiv für M

wie Mindelan

Meinen ersten Blog, in dem ich mit dieser alphabetischen Reihe begonnen habe, nannte ich Mindelan. Und mich gleich mit. Denn ich wollte meinen echte Namen nicht hier hinschreiben. Soooo öffentlich wollte ich nicht sein. Ein Pseudonym zu finden, war nicht so leicht. Schließlich ist es schlimm genug, wenn schon der echte Name nicht ausdrückt, wer man ist.

Ich bin in Büchern einer Autorin fündig geworden, die ich gern schon als Teenager gekannt hätte: Tamora Pierce. Das ist undankbar. Schließlich bin ich glücklich, wenigstens irgendwann auf ihre Werke gestoßen zu sein (danke Anne!), die ich dann auch folgerichtig alle wie im Rausch gekauft und gelesen habe, sei es in Deutsch oder in Englisch.
Mrs Pierce schreibt Mädchenbücher der Extraklasse. Sie spielen in einer Art verändertem Mittelalter, in dem es Magie, göttliche Wesen und Ritter gibt. Die Heldinnen, bis auf eine Ausnahme Mädchen, erleben Abenteuer, gestalten ihr Leben und stehen vor Prüfungen, wie es sich gehört. Besonders ist, dass es Pierce gelingt, ihre Figuren überzeugend individuell zu gestalten. Jede ist eigen und daraus entwickelt sich genau ihre Geschichte, ihr Weg, ihr Liebesleben und was sonst noch dazu gehört.

Mein Liebling ist Keladry von Mindelan.
Ihr Anliegen ist es, die Schwachen zu beschützen, seien es Tiere oder Menschen. Darum will sie Ritterin werden, auch wenn es ihr nach allen Regeln der Kunst erschwert wird, diese Ausbildung zu durchleben. Aber so, wie sie als Page auf Probe allein den kleinen Tyrannen unter den Knappen das Mobbing verleidet, hält sie später auch die Verantwortung aus, ein Flüchtlingslager zu leiten. Sie ist die Verkörperung der Zivilcourage und ihre einzige Schwäche sind ihre Schutzbefohlenen, für die sie ihr eigenes Wohl immer wieder riskiert.

Ich bin nicht so. Aber ich finde es erstrebenswert, sich an solch einer Figur zu orientieren. Besonders, wenn gerade 20 Zeugen in München vorbeispaziert sind, als zwei Jugendliche einen Mann totgetreten haben – obwohl die von diesem Mann beschützten Kinder Passanten um Hilfe gebeten haben. Besonders, wenn die einzige öffentliche Diskussion, die dann hörbar wird, sich um die Verschärfung des Jugendstrafrechtes dreht und nicht um den erbärmlichen Zustand an Zivilcourage auf deutschen S-Bahnhöfen.