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wie Konform

Meistens bin ich es ja von mir gewöhnt, aber es gibt Tage, da frage ich es mich doch: Warum kann ich nicht so sein wie andere? Warum bin ich die einzige, die allein zu einer Familienfeier fährt und auch allein wieder heimkehrt? Wieso schaffe ich es nicht, normal zu sein, konform? Wo ist der Partner an meiner Seite, der so gut passt, dass ich seine Macken eben aushalte? Wo ist mein normaler Beruf, mit dem ich regelmäßiges Geld verdiene, anstatt just angesichts der Steuererklärung das Haushaltsgeld zu rationieren? Warum muss ich mich in verstiegenen Träumen üben? Roman(e) schreiben, ohne dass mir dafür jemand Geld zahlt? Warum habe ich so viele Ideen? Warum bin ich allein, ohne Partner?

Ein guter Freund sagte mir einmal, dass ich ja nicht allein sein müsse. Ich habe mich dafür entschieden. Ich will mich nicht verbiegen, etwas leben, was nicht stimmt, nur, um nicht allein zu sein.
Aber stimmt das? Ist es so, dass ich auch keinen Job will, den ich Scheiße finde. Dass ich nicht lügen will für Geld. Könnte ich denn anders? Wie lange halte ich es aus, wenn etwas nicht stimmig ist? Wie ein Lastkahn, der den Rhein stromaufwärts tuckert, würde mich etwas wegziehen, ein starker, gewaltiger Motor, der bislang noch jede Flussgeschwindigkeit überwunden hat. Ob er mich dahin bringt, wo ich sein will? Ich weiß nicht. Aber er passt auf, dass ich nicht einfach wegen einer Wurzel oder einem Büschel Seegras irgendwo hängen bleibe.

Und was passiert auf dieser kleinen Party? Ich sehe einen entfernten Bekannten, der 14 Jahre jünger ist als ich und denke: Warum nicht der? Er gefiele mir. Und manchmal schaut er mich so an, als gefiele ich ihm. Vielleicht ist ein jüngerer Mann ohnehin der richtige Ansatz für mich, denn ich wünsche mir jemanden, der mich lieben möchte, nicht jemanden, der mit mir vorlieb nimmt, weil seine Träume alle schon ausgeträumt sind. Es reicht, wenn ich mich manchmal so fühle. Und schließlich ist Susan Sarandon ja auch mit einem viel jüngeren Mann zusammen.

Schon wieder. Nicht konform. Druck wirkt auf mich einfach anders als vorgesehen: Er treibt mich immer tiefer in meine Position hinein. Macht mich das glücklicher? Unglücklicher? Da ich nur so sein kann wie ich bin, weiß ich es nicht.

Und manchmal, wenn mir mein eigenes Herausstehen, das ewige Nichtkonformsein auf den Keks geht, tröste ich mich damit, dass ich wenigstens beim Milgram-Experiment nicht mitgemacht hätte oder sie sich bei dem Asch-Experiment die Zähne an mir ausgebissen hätten. Zu was ist so ein nicht konformer Sturkopf dann doch gut. Auf jeden Fall ist es manchmal schön, sich das einzubilden.