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wie Freiheit

Während ich an einem lauen Sommerabend auf meinem Balkon sitze, kreisen am Himmel die Mauersegler. Es ist eine ganze Gesellschaft, bestimmt bis zu dreißig Tiere, die da mal weit verstreut ihre Kreise ziehen und mal alle auf einmal durcheinander fliegen, ihr hohes “Srii srii” wie eine rätselhafte Warnung. Fliegen sie hoch und wenden scharf nach Osten, bekommen sie von der Abendsonne einen roten Bauch verpasst. Segelnd und flatternd in weiten Schwüngen und Hakenschlägen tanzen sie virtuos in der Luft. Manche fliegen so weit nach oben, dass sie als schwarzer Punkt im Blau verschwinden.

Ihr Schweben, ihr Segeln, ihr einzeln Sein und die spontanen Versammlungen, Kreisen ohne Mühe, all das scheint mir wie der Inbegriff von Freiheit. In der Luft leben, schlafen, lieben. Voller Kraft und ohne Gewicht.

Wie platt erscheint mir da mein Popo, den mein Gewicht auf den Stuhl drückt. Ein Gewicht, dass ich mühevoll und schlenkernd im Lauf heben kann, oder dröhnend, ohne eigenes Verdienst und ohne Eleganz auf dem Sitz eines Flugzeuges. Festgenagelt auf der Erde bin ich – nur manchmal, wenn ich mich platt auf den Rücken lege und in den unverdeckten Himmel blicke, dreht sich meine Welt und ich hänge über dem weiten All, über den Wolken, den Sternen, dem Nichts, zum Glück von der Gravitation an diese Kugel geheftet – fast fühle ich, wie ich in die Leere falle.

Und sollte ich dort einem Mauersegler begegnen, so hoffe ich, dass er mich zur rettenden Erde zurückstoßen wird, so wie ich ihn in die Luft werfe, falls ich ihn am Boden finde.